Bewegung, Selen und Neuronen

Sport aktiviert schlafende Stammzellen im Hippocampus, dem Gehirnbereich für u. a. Gedächtnisbildung. Ein verkleinerter Hippocampus ist eine echte Gefahr für die Entstehung von Alzheimer.

Zusätzlich fördert Sport die Bildung von Transportern namens Selenoprotein P1 (SEPP1), welche Selen in das Gehirn transportieren.

Eine Studie mit dem übersetzten und aussagekräftigen Titel:

„Selen vermittelt die durch körperliche Betätigung induzierte Neurogenese im Erwachsenenalter und kehrt Lerndefizite um, die durch Hippocampusverletzungen und Alterung verursacht wurden.”

Die Wissenschaftler haben Mäuse (ich bin immer noch gegen Tierversuche) entweder 4 Tage lang faul chillen lassen oder auf einem Hamsterrad laufen lassen.

Dann wurde ein breites Spektrum an Proteinen im Blut gemessen – heraus stach dabei der eben genannte Transporter Selenoprotein P1.

Durch moderne Techniken konnten an lebendigen Mäusen dann die Geburt und das Überleben von neuen Neuronen verfolgt und überwacht werden. Heraus kam, dass Selen massivst die Neubildung von Neuronen befeuerte – gemessen wurde ein Zuwachs von +55% der allgemeinen Neurogenese.

Einer der vielen Mechanismen ist, dass Selen im Gehirn oxidativen Stress reduziert, ein weiterer wäre, dass Selen Neuronen-Stammzellen im Hippocampus „aufweckt”.


Altern und Selen

Korrelationen zeigten, dass Selen negativ mit dem Risiko für kognitiven Rückgang assoziiert ist.

Altern führt dazu, dass die Selenspiegel im Gehirn geringer werden, was dazu beiträgt, dass mehr oxidativer Stress im Gehirn entsteht und die Bildung neuer Neuronen gebremst wird.

Wenn man das so betrachtet, könnte man schlussfolgern, dass eine Supplementierung von Selen bei älteren Lebewesen den ganzen Prozess bremsen kann.

Also wurden alten Mäusen eine extrem geringe Menge an Selen verabreicht (10 Moleküle pro Million). Dies führte dazu, dass signifikant mehr Neurogenese im Hippocampus stattfand. Zusätzlich wurde nebenbei eine gesteigerte Leistung bei Lern- und Gedächtnisaufgaben festgestellt.


Selenquelle

Eine einzige Paranuss beherbergt 90 µg Selen – was deutlich über der allgemeinen Empfehlung von 55 µg liegt.


Randomisierte kontrollierte Studie an Menschen

An der Studie nahmen 20 ältere Menschen mit milden kognitiven Beeinträchtigungen für 6 Monate teil. Die Selengruppe konsumierte lediglich eine einzige Paranuss am Tag, die Kontrollgruppe hingegen keine.

Der Blutselenspiegel der Selengruppe stieg dramatisch von 56,2 auf 290,6 µg/l Blut an. Zudem wurde ein Anstieg der antioxidativen Aktivität gemessen.

Sowohl in einem Test für verbale Fluenz als auch in einem Test für sogenannte konstruktive Praxis (ein Test für visuelles Denken und räumliches Handeln) schnitt die Selengruppe nach den 6 Monaten deutlich besser ab.


Zusammenfassung


Quelle:

Leiter O, Zhuo Z, Rust R et al. — Selenium mediates exercise-induced adult neurogenesis and reverses learning deficits induced by hippocampal injury and agingCell Metabolism, 2022; 34, 408–423.e8