Ich war schon früh der Überzeugung, dass wenn man ein paar Jahre Vollgas im Unternehmertum gibt, man sich danach zurücklehnen kann. Man kann sich mit viel harter Arbeit zum Beispiel ein Unternehmen aufbauen, Leute einstellen und dann weniger arbeiten - das las ich in einem Buch, welches mit 15 meine Weltansicht verändert hat. „Die 4-Stunden-Woche“ von Timothy Ferriss beschreibt genau das und liefert wirklich viele unternehmerische Grundprinzipien, wie das Automatisieren, das Abgeben von Aufgaben oder dass man manchmal 80% seiner Dinge sein lassen muss, um sich auf die 20 gewinnbringendsten Prozente zu konzentrieren. Mittlerweile bin ich mit 80- bis 100-Stunden-Wochen etwas entfernt von den 4 Stunden, aber die Prinzipien des Buchs sind von unschätzbarem Wert.

Jedenfalls habe ich mir erst kürzlich Gedanken darüber gemacht, wie man es schafft, in 2 Jahren - was die Zahl war, die ich immer im Kopf hatte - etwas so Großes aufzubauen, dass man mit wenig Arbeit davon leben kann. Im Folgenden möchte ich auf ein paar unscheinbare Effekte eingehen, um über etwas aufzuklären, worüber sich keiner Gedanken macht.

(Vorab: Ich möchte keinem sagen wie viel er arbeiten soll, ich gehe nur auf die interessanten Mechanismen dahinter ein. Mir ist auch bewusst, dass nicht jeder die gleichen Voraussetzungen hat: wer Kinder großzieht, Angehörige pflegt oder gesundheitlich eingeschränkt ist, startet von einem anderen Punkt.)

Wartezeiten

Ich steige mit einem kleinen Beispiel ein, viele Dinge bei Selbstständigen brauchen bekanntermaßen Zeit - mehr Zeit als gedacht. Sei es eine GmbH-Gründung, das Bestellen eines auftragsnotwendigen Artikels, das Gesundwerden eines Mitarbeiters, etc.

Mit mehr Arbeitszeit kann man mehr dieser zeitbeanspruchenden Dinge in Gang setzen, somit überlappen sich Wartezeiten, womit man “effizienter wartet”, während man anderen Aufgaben nachgeht.

Fixkosten der Arbeitswoche

Hierzu nur ein erläuterndes Beispiel:

Jede Woche hat fixe Aufgaben welche Zeit beanspruchen: Angenommen man brauch von seinen 40 Stunden Wochen, 20 Stunden für E-Mails, Buchhaltung, Absprachen, wiederkehrende Erledigungen, dann bleiben für echte Arbeit nur 20 Stunden übrig. Wenn man nun 100 Stunden wöchentlich arbeitet, bleiben 80 Stunden für die produktivere echte Arbeit.

Nervenbahnen parallel bauen

Ein Effekt, der mich besonders fasziniert, spielt sich im Kopf ab. Wenn wir tagsüber konzentriert etwas lernen, wird im Gehirn - vereinfacht gesagt - durch den Botenstoff Acetylcholin markiert, welche Verbindungen zwischen Nervenzellen später gestärkt werden sollen. Gebaut wird aber erst in der Nacht: Im Schlaf werden diese Verbindungen biologisch, chemisch und physikalisch umgesetzt.

Und das passiert nicht nur in der ersten Nacht. In einer Studie, die der Schlafforscher Matthew Walker in seinem Buch „Why We Sleep“ beschreibt, haben Teilnehmer etwas gelernt und danach zwei Nächte normal geschlafen. Wer in der dritten Nacht Alkohol getrunken hat, hatte trotzdem einen großen Teil des Gelernten wieder vergessen. Das Gehirn arbeitet also noch Tage später an dem, was wir gelernt haben.

Und genau hier kommt die Parallelisierung ins Spiel. Wer am Tag mehr lernt, stößt auch mehr dieser Bauprozesse an. Die Nacht bleibt gleich lang, aber es wird an mehr Baustellen gleichzeitig gearbeitet - an genau den Nervenbahnen, die man fürs Unternehmertum und für seine Projekte braucht. So zumindest meine Überlegung. Ähnlich wie bei den Wartezeiten wartet man also effizienter.

Kurzes Fazit

Wer in kurzer Zeit viel erreichen möchte, sollte vor allem noch mehr Gas geben, Wartezeiten parallelisieren und Engpässe einplanen, indem er Zeitpuffer einbaut. Jedes fertige Ergebnis kann unwissentlich in das nächste Projekt einfließen, dadurch wächst Fortschritt schneller als die investierte Zeit. Selbst im Schlaf arbeitet man mit: Wer am Tag mehr lernt (oder neue Projekte angeht), stößt mehr Bauprozesse im Gehirn an, und die Nacht wird nicht länger, sondern nur besser genutzt.

“Wer doppelt so viel arbeitet, kommt 4 mal so schnell voran”

Meine These bleibt, zumindest plakativ. Bei manchen geht die Rechung mehr, bei anderen weniger auf.